Pome – MFS Crew im Interview:

Pome – MFS Crew im Interview:

20.07.2011 von Philipp Tölzer

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Der Jenenser Writer POME, Mitglied der MFS Crew und einer der ersten Sprüher in Thüringen überhaupt, erzählt uns, wie er damals zum Malen kam, was in seiner Stadt sonst noch geht und warum man Eier haben muss, um dort zu Malen!

“Ich mache lieber 10 Dirty Quickies, als mich in Details bei einem aufwendigeren Bild zu verlieren!”

“Throwups sind für mich die roheste aber auch gleichzeitig die harmoniebedürftigste Form des Writings!”

Hallo Pome. Stell dich doch bitte kurz vor und erzähl uns, wo du herkommst und für welche Crews du malst.
Mein derzeitiges Alter Ego nennt sich POME, kommt aus Jena und hat die MFS im Herzen und die 10 auf der Brust.

Wofür steht MFS, wer außer dir ist Mitglied und welche Ziele verfolgt ihr gemeinsam?
Dieses Ministerium dürfte noch jeder kennen, hinzu kamen viele Kosenamen wie MobilerFunkService oder MaskulineFreizeitSäufer! Die MFS war ein Zusammenschluss von Sprühern verschiedenster Crews wie (TOK / DAB / EAP / AEROSOULDIERS / MOP / DWC / JMB / MHS). Mitglieder waren und werden immer sein: KEMOZ (machte als erster Kisten in Erfurt), ENAK, EARL, DASOK, SNEAKER aka SKE, ROKER aka ROKOKO, SKAT, ISOE, ATHEK aka TAKER, LEMON MASE aka EWOK. Man betrat in vielen Dingen Neuland und jeder war auf seiner Position am Start! So war die MFS vom Hardcoretagging über big la Bombaz bis hin zum detailreichen Charakter gut vertreten.

Du hast 1989 mit der Wende angefangen zu malen und bist neben Earl sogar der erste Writer in Thüringen gewesen. Wie bist du damals zu Hiphop gekommen?
Nun gab es Dosen zu klauen und ich intensivierte das, was ich schon seit der 7 und 8 Klasse machte, also meiner Umgebung ein neues Gesicht zu geben, auch wenn es früher zum Beispiel der Kugelschreiber war, mit dem man Kreator oder Beastie Boys an die Wand schmierte und deshalb die Stasi anrückte. Hiphop hörte ich erst später vermehrter, da es das beste Feeling beim skizzieren und so weiter erzeugte. Einflüsse gab es keine, da ja bei niemandem geschaut werden konnte. Man setzte halt seine Tags in Jena oder Gera, wo zu der Zeit ein anderer Jenenser schon bunte Nazis raus oder Anarchy Bombings setzte! Beeindruckt hat mich natürlich bei späteren Berlin-Besuchen was dort so ging, wie zum Beispiel OXBOE, LEVEL-Tags, KRE, CREMLINS, ESC und RCB-Rooftops. Meine ersten Magazine waren so 1992 der Dosenspuk und Daily Bombs. 2005 hab ich dann in Anlehnung an diese Zeit, und weg von Hochglanzmagazinen den Marabu in einer 60/70er Auflage rausgehauen welcher im Guten alten Hiphop-Dealer und unter der Hand zu bekommen war.

Hast du im Laufe deiner bisherigen Karriere festgestellt, dass sich jüngere Writer dich zum Vorbild genommen haben?
Dies ist und geschieht noch sehr oft, aber auch der normale Lauf der Dinge. Man taucht ein in diese Parallelwelt und orientiert sich an alten Hauben wie mir. Im besten Fall bleibt derjenige am Ball und findet dann auch schnell seinen eigenen Weg!

Du bist sehr bekannt für deine ausgeklügelten Bubblestyles und deren perfektionistische Umsetzung. Warum hat es dir gerade der Bubblestyle so angetan?
Ob er perfekt ist, weiß ich nicht, was ich weiß, ist dass Throwups für mich die roheste aber gleichzeitig auch harmoniebedürftigste Form des Writings ist. Dein Strich muss sitzen aber du kannst auch spontan bleiben und ein bisschen mit der Wand dancen. Zudem mache ich lieber 10 Dirty Quickies als mich in Details bei einem aufwendigeren Bild zu verlieren. Finde es auch sehr geil, dass in New York oder Francisco das Bubble-Ding noch genauso durchgezogen wird wie am Anfang.

Neben MFS haben zum Beispiel auch XQ sehr viel Streetbombing in Jena und seiner Umgebung betrieben. Was dabei auffällt, ist das beide Crews einen völlig einmaligen und neuen Style in Thüringen an den Tag gebracht haben. Wie kam es dazu?
Jena war da schon immer sehr innovativ und machte sein eigenes Ding ala “Ey ihr rollert eure Bilder, das ist kein Graffiti” oder Zug- und Straßenbahn-Waggons wurden geteert und gefedert. Die XQ war so etwas wie unser Nachwuchs. Athek, Lemon, Sneaker und Isoe stießen von dort dann zu uns.

Wie in vielen deutschen Städten ist das Streetbombing auch in Jena nach einem ansehnlichen Boom in den 90ern, im neuen Jahrtausend deutlich zurückgegangen. Was denkst du, welche Ursachen das hat?
Das hat meiner Meinung nach, für Jena gesprochen, verschiedenste Gründe. So kam es arbeits- beziehungsweise studienbedingt zu Wegzügen einer fast kompletten Sprühergeneration. Außerdem denken manche nur an ihren eigenen Fame und unterstützen demzufolge auch nicht den potenziellen Nachwuchs, der auch noch massiv von der Soko weggefangen wird. Jena ist eine Stadt mit viel Geld und es ist kaum noch Leerstand vorhanden. Und in den Neubaugebieten wird eine 24h Graffiti-Null-Toleranz-Schiene gefahren.

Wurdest du während deiner bisherigen Karriere als Writer, welche sich ja nicht nur in der Legalität abspielt, schon einmal erwischt?
Ja, hab auch schon bei den Bullen nackt mit zwei Caps in der Kimme auf’s Maul bekommen.

Medienberichten zufolge wird Graffiti in vielen Fällen kriminalisiert und mit Gewalt und Drogen in Verbindung gebracht. Wie stehst Du zum Thema Drogen?
Das ist wie bei allem eine Sache der Dosis, wobei Graffiti eine verdammt heftige Droge ist. Gewalt gibt es dort nicht mehr oder weniger als anderswo.

Was glaubst du, wie sich die Existenz der recht großen Universität in Jena auf das ansässige Graffiti ausgewirkt hat? Man könnte denken, dass dadurch immer wieder frischer Wind weht.
Es tauchen immer wieder neue Namen auf, aber bei den wenigsten bleibt ein bleibender Eindruck, da sich die Wege mit der lokalen Szene nicht kreuzen oder man nur mal ein Semester rumschaut, ohne die Stadt richtig kennenzulernen.

Wie würdest du die Szene in Jena beschreiben? Ist der Wettbewerb unter den verschiedenen Crews groß, oder ist die Atmosphäre bei euch eher chillig und entspannt?
Vorsichtig ausgedrückt würde ich sagen, dass diese auf jeden Fall wieder ausbaufähig ist und Jenas History zeigt, dass dies auch möglich ist. Trotz allem kann man aber auch sagen, dass der harte Kern aktiv bleibt. Die Szene in Jena war mal eine Big Family und ist über interne Hauereien nun da gelandet, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht. Ich bin gespannt, wie sich das mit nachkommenden Malern entwickelt.

In Jena gibt es seit Mitte der Neunziger die Möglichkeit am Gleis 1 beim Kassablanka auf Wagons der Deutschen Bahn legal zu malen. Was geht an dieser einzigartigen Hall Of Fame?
Diese Hall ist wirklich einzigartig in Deutschland und ich kann jedem nur empfehlen vorbeizukommen, solange uns nicht irgendwelche Kranken die Kisten anzünden. Wir werden aber dieses Jahr zur Wiederherstellung des letzten Opfers eine Soliparty starten und gleichzeitig 15 Jahre B-Boying in Jena feiern. Checkt Jenagraffiti.com für Infos. Die Bilder halten am Kassa leider nicht so lange, da schon eine gute Fluktuation an Malern dort vorherrscht. Auf Jenaer Straßen verirren sich die wenigsten O-Ton einiger bekannter Crews: “Hier sind uns die Straßen zu eng.” Man muss also Eier haben, um in Jena zu malen.

Wir wünschen dir und deiner Gruppe alles Gute für die Zukunft und wollen Dir nun noch die Möglichkeit geben noch etwas zu sagen und ein paar Grüße loszuwerden.
Toy, lerne die Regeln! Style-Polizisten verpisst euch! Support your local scene! Greetz gehen raus an: alle MF’ässer auf ihren Lebenswegen, El Don, Decoe, Okay10, Most (WLC), Kets10, Simör, HBCrew, NMK, IBD, Farbgefühl, Bewegungsküche, Weimar (Daumen Hoch für konstantes Bomben ihrer Stadt) und an alle Aktivisten in / aus 10! Rip Comic, Sixer, Foner. Free OZ.

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