Brad aka Rayz – 481er im Interview:

Brad aka Rayz – 481er im Interview:

17.08.2011 von Philipp Tölzer

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Wir baten den Graffitiwriter und Designstudenten Brad aka Rayz von der Crew 481 aus Dessau zum Interview und haben euch zudem eine äußerst sehenswerte Bildersammlung bereitgestellt…

“Wenn man Graffiti für irgendjemand machen würde, wäre man selber nicht froh damit!”

Hallo Brad, wir freuen uns, dass du dir Zeit genommen hast uns ein paar Fragen zu beantworten. Stell dich doch bitte kurz vor und erzähl uns, wo du herkommst.
Ich bin Brad, komme aus Dessau/Roßlau an der Elbe in Sachsen Anhalt und schreibe auch Spak, Rayz und andere Namen. Irgendwie kann ich nie länger bei einem Namen bleiben und wechsle ihn deshalb häufig.

Nach ein paar Jahren hab ich dann einfach Lust auf was neues. Die alten Namen tauchen aber auch immer mal wieder auf. Auf diese Art bekommt man ständig neue Ideen, denn ein anderes Wort erfordert ein anders Vorgehen.

Da du ständig Deinen Namen wechselst, kann man daraus schließen, dass Fame dir weniger wichtig ist, oder?
Nein. Fame spielt für mich keine große Rolle. Ich mache das eigentlich in allererster Linie für mich. Ich schicke auch selten Bilder an Magazine. Sicherlich wurden von mir hier und da schon ein paar Sachen veröffentlicht, was ich aber nie so richtig ernst genommen habe.

Wann und wie genau hast du mit dem malen angefangen und woher kam die Motivation das über einen so langen Zeitraum durchzuziehen?
Zwei Kumpels und ich haben irgendwann in den 90ern den letzten Zug verpasst und mussten uns dann von dem Vater des einen Kollegen abholen lassen. Der hatte eine Rap Kassette im Autoradio laufen. So kam ich zu der Musik und dem ganzen Drumherum. Eine banale Geschichte, aber so war es. WildStyle, Beatstreet und so hab ich erst gesehen, als ich schon gemalt habe. Seit dem ist da halt ständig so ein Drang etwas machen zu müssen. Ich kann das nur sehr schwer erklären. Da muss einfach etwas Kreatives raus. Außerdem motiviert mich der Spaß an der Sache enorm.

Für welche Crews malst du? Wie wichtig ist es beim Graffitiwriting eine eigene Crew zu haben?
Meine Crew sind die 481er. Die Leute sind meine Freunde. Ich bin mit denen auch auf einer Wellenlänge, weshalb das auch so gut zusammenpasst. Man macht ja solche Dinge nicht umsonst gemeinsam mit bestimmten Leuten. Ich male eigentlich nur noch legale Sachen und da spielt eine Crew halt eine geringere Rolle. Beim malen von illegalen Dingen, wie zum Beispiel Zügen, ist eine Crew bei Weitem wichtiger und eine organisierte Gruppe ist hilfreich. Ich möchte aber bestimmte Sachen malen und da brauche ich jetzt irgendwie keinen Zug dazu.

Von wem hast du dich am Anfang besonders inspirieren lassen und woher hast du deine Einflüsse bezogen?
Auf einem Backjumps Video war mal ein Beitrag mit Kakao77 aus Berlin, der ohne Ende Soul Scetches gezeigt hat. Die haben mich auf jeden Fall stark beeinflusst. Die waren echt abgedreht und einfach genial.

Wie würdest du Style definieren? Was denkst du ab wann ein Writer seinen eigenen Style hat?
Ich finde es immer gut, wenn jemand gar keinen Style hat. Also wenn man versucht es jedes Mal etwas anders zu machen. Es passiert mir immer wieder, dass ich mich festfahre. Ich versuche es dann oft mit dem Trick, den Style nicht mit dem ersten Buchstaben zu beginnen, sondern in der Mitte irgendwo anzufangen. Ich versuche immer wieder etwas Neues zu machen. Das klappt aber nicht immer, weil ein Bild stets auf dem letzten aufbaut.

Was ist Dir wichtig an einem guten Bild? Worauf spezialisierst Du Dich besonders, wenn Du ein Piece malst?
Ein Bild ist für mich gut, wenn es mir auffällt und wenn es im Gedächtnis bleibt. Bei einem Bild ist das Vorziehen für mich das Wichtigste. Ich male oft ohne Skizze, denn an der Wand entwickelt man ein völlig anderes Gefühl für zum Beispiel Formen, als auf Papier. Man hat einfach mehr Platz und muss den ganzen Körper einsetzen, weil der Arm nur eine begrenzte Länge hat. Man muss sich Strecken oder Bücken und so entstehen automatisch ganz andere Sachen.

Besonders auffällig erscheinen deine Charaktere, die man in dieser Form eigentlich nirgendwo anders sehen kann. Wie entstehen solche Bilder?
Die Entwürfe sind oft kleine, schnelle Skizzen, oder auch Fotos. Ich habe früher oft fotorealistisch gemalt. Aber das kann ich ehrlich gesagt nicht mehr sehen. Fotorealismus ist schon cool, wenn man es gut einbaut, sieht aber am Ende immer gleich aus. Dies wird dann in den meisten Fällen nichts Besonderes werden. Vor allem durch Aufträge kommt es aber oft vor, dass man so etwas einfach malen muss. Dann gehört es plötzlich einfach mit zur Arbeit dazu und das nervt mich dann schon. Ich mag zurzeit eher grafische Sachen. Ich achte des Weiteren mehr auf Strukturen und Muster oder merkwürdige Formen.

Dessau war Mitte der 90er in Ostdeutschland eine absolute Hiphop-Hochburg. Erzähl uns doch bitte, wie du das damals dort erlebt hast und wie es sich bis heute entwickelt hat.
Natürlich hat man das damals gesehen. Ich war davon auch wirklich sehr beeindruckt, hatte aber zu diesem Zeitpunkt jetzt selber noch nicht angefangen zu malen. Ich habe aber mit diesen Leuten von damals nichts weiter zu tun. Wahrscheinlich sind die meisten eh aus Dessau weggezogen – aus gutem Grund. Ich muss auch sagen, dass ich nicht so richtig in der Dessauer Hiphop-Szene drinstecke. Ich höre auch zurzeit lieber Gitarrenmusik.

Du studierst Design. Was denkst du, wie sich dieses Studium auf deine Arbeiten auswirkt?
Das Studium thematisiert schon einige Dinge, die ich beim malen anwenden kann. Trotzdem wirkt es sich nicht so richtig auf meine Kunst aus. Mit Design soll man die Menschen erreichen oder ihnen etwas verkaufen. Man kann aber durchaus ein paar Dinge umsetzen.

Versuchst du mit Deinen Bildern auch etwas auszudrücken? Wie reagieren die Leute auf deine Kunst?
Ich versuche mit meinen Bildern eigentlich fast nie etwas auszudrücken. Ich mag banale und naive Sachen und so male ich auch. Ich lege in dieser Hinsicht mehr Wert auf das Design des Bildes an und für sich. Es gibt meist keinen tieferen Sinn in meinen Bildern. Was die Menschen darin sehen, ist mir auch egal. Graffiti ist für mich eine Art Kommunikation. Man war da! An einer legalen Wand hat man das jetzt zwar nicht, aber wenn einer ein Bombing macht und man das nicht lesen kann, dann hat es kaum Sinn. An einer legalen Wand ist das nicht so. Da kann man machen, was man will. Man hat eine Idee und setzt die um. Das ist ganz einfach. Die Leute, die auch malen, haben dazu vielleicht jetzt ne andere Meinung. Jeder hat auch da seinen eigenen Geschmack. Wenn man das für irgendjemanden machen würde, wäre man selber nicht froh damit. Ich male für mich – so wie ich das will!!

Neben großflächigen Aufträgen und diversen Bildern an Halls Of Fame, malst du auch Leinwände. Was macht den Reiz aus Canvases zu gestalten?
Ich habe relativ zeitig, damit angefangen Leinwände zu malen. Eine Leinwand ist eine Abwechslung. Man malt ja unter normalen Umständen ziemlich groß. Was für andere Künstler ein absolutes Horrorprojekt wäre, ist für Writer völlig normal. Man malt mal eben vier oder fünf Meter hohe Bilder und dies ist im Graffiti völlig normal. Und auf einmal muss man sich auf so eine Größe, wie bei einer Leinwand, beschränken. Das finde ich sehr interessant und man macht automatisch völlig andere Sachen.

Wir bedanken uns recht herzlich für die Beantwortung unserer Fragen und wollen Dir zum Schluss noch die Möglichkeit geben, etwas zu sagen oder ein paar Grüße loszuwerden.
Ich grüße Rambo, Phone, Duktus, Disco, und alle 481er

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